Image illustrating: Philippe Geluck or a Le Chat sculpture in central Brussels (editorial)
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Brussels
Kultur in Brussels

Kann Brussels das Musée du Chat-Projekt von Philippe Geluck noch retten?

Brussels steht mitten in seinem Museumsviertel vor einem kulturpolitischen Test: Philippe Geluck will sich aus dem seit Langem verzögerten Musée du Chat zurückziehen, einem Projekt, das an der Rue Royale zwischen dem BIP und Bozar geplant ist und von der Brussels-Capital Region über die Société d’Aménagement Urbain (SAU) unterstützt wird. Für Menschen, die in Brussels leben, EU-Bedienstete, die in der Nähe arbeiten, und Besucher, die die Stadt über ihre Comic-Identität kennen, geht es nicht nur darum, ob Le Chat ein Museum bekommt. Es geht darum, ob ein öffentlich unterstütztes Kulturprojekt noch umgesetzt werden kann, wenn Verzögerungen, Inflation und politische Prüfung die ursprüngliche Vereinbarung verändern. Laut BX1 will Geluck nach mehr als einem Jahrzehnt Verzögerungen und einem starken Kostenanstieg nun zurücktreten. Der Brussels Sender berichtet, dass die städtebauliche Genehmigung für ein 2014 gestartetes Projekt erst im April 2023 erteilt wurde und dass die Gesamtkosten von 11,7 Millionen Euro auf 17,8 Millionen Euro gestiegen sind. Gelucks gemeinnützige Organisation sollte den Innenausbau finanzieren, nachdem die Region das Gebäude als geschlossenen Rohbau übergeben hatte; BX1 zufolge hat sich diese Innenausbau-Rechnung nun auf etwa 7 Millionen Euro verdoppelt. Das erklärt Gelucks Kalkül. Die in der französischsprachigen Presse berichtete Formulierung, das Projekt sei „écrasant“ geworden, ist nicht nur emotionale Sprache. Sie verweist auf ein praktisches Problem: Eine private Kulturfigur, selbst eine sehr erfolgreiche, soll einen Finanzierungsplan tragen, der auf früheren Kostenannahmen beruht. Wenn er aussteigt, muss Brussels entscheiden, ob ein anderer Betreiber übernehmen kann, ob das Museumskonzept überarbeitet wird oder ob die Region eine weitere heikle Verzögerung an einem gut sichtbaren Standort im Stadtzentrum hinnehmen muss. Der breitere Blick betrifft Brussels als Comic-Hauptstadt. Die City of Brussels bewirbt offiziell ihre Comic-Route und führt Le Chat unter den Wandbildern am Boulevard du Midi auf. Das Comic Art Museum, das bereits in der Rue des Sables etabliert ist, präsentiert sich als eine Brussels Institution, die der „9. Kunst“ gewidmet ist. Ein eigenes Musée du Chat wäre daher keine zufällige Attraktion: Es würde in einer bestehenden Kulturökonomie stehen, die auf frankobelgischen Comics, Tourismus und urbanem Branding beruht. Doch genau deshalb hält die Kontroverse an. Unterstützer sehen Geluck als einen der bekanntesten französischsprachigen Kulturexporte Belgiens und argumentieren, Brussels solle in eine populäre, zugängliche Form des Kulturerbes investieren. Fiskalische und kulturpolitische Skeptiker fragen, warum knappe regionale Mittel helfen sollten, ein Museum zu schaffen, das sich auf einen lebenden Künstler und eine kommerziell erfolgreiche Figur konzentriert, besonders während andere Kulturinstitutionen unter Haushaltsdruck stehen. Der nächste Schritt ist institutionell. BX1 berichtet, dass Gespräche zwischen Geluck und der Regierung von Brussels laufen und dass andere Einrichtungen daran interessiert sein könnten, das Projekt im Rahmen einer Vereinbarung mit der Region zu übernehmen. Was Brussels zumindest öffentlich noch nicht vorgelegt hat, ist ein klarer aktualisierter Umsetzungsplan: wer wofür zahlt, wer das Museum betreibt, was mit dem von der SAU unterstützten Gebäude geschieht und wie das Projekt neben Bozar, dem BIP und den bestehenden Comic-Institutionen der Stadt einzuordnen ist.

Belgium Impulse Editorial·12 June 2026·3 min read·4 sources
Key signal

Für die Einwohner und Steuerzahler von Brussels ist der Fall ein konkreter Test für Kulturausgaben, öffentlich-private Umsetzung und Kostenkontrolle. Für Besucher und in der Hauptstadt tätige EU-Beschäftigte betrifft er das kulturelle Angebot im institutionellen Viertel der Stadt. Für Belgiens Comic-Sektor wirft er eine schwierigere Frage auf: wie populäres Kulturerbe gewürdigt werden kann, ohne öffentliche Politik zur Unterstützung einer einzelnen Marke zu machen.

Thema ist das geplante Musée du Chat et du dessin d’humour in Brussels, verbunden mit dem belgischen Künstler Philippe Geluck und seiner Comicfigur Le Chat. Das Projekt betrifft einen Standort an der Rue Royale nahe Bozar und dem BIP, wobei die Brussels-Capital Region und ihre Stadtentwicklungsgesellschaft SAU auf Gebäudeseite beteiligt sind, während Gelucks gemeinnützige Organisation die Innenarbeiten finanzieren sollte.

Background

Le Chat erschien erstmals 1983 in Le Soir und wurde zu einer der bekanntesten Comicfiguren des französischsprachigen Belgien. Brussels nutzt Comics seit Langem als Teil seiner öffentlichen Identität, vom Comic Art Museum bis zur Comic-Route der City of Brussels. Das Musée du Chat-Projekt wird seit Jahren diskutiert und hat bereits früher Kritik wegen öffentlicher Gelder, kommerziellen Images und Governance auf sich gezogen.

OIS Intelligence

Impact

Regional — Die Auswirkungen betreffen hauptsächlich Brussels: Standort, Risiko der öffentlichen Finanzierung, touristischer Wert und politische Rechenschaftspflicht liegen alle bei der Brussels-Capital Region und dem kulturellen Ökosystem der City of Brussels.

Opposing perspectives

  1. Philippe Geluck und die gemeinnützige Museumsorganisation

    Gelucks Seite stellt das Thema als Umsetzungs- und Finanzierbarkeitsproblem nach Jahren der Verzögerung und Inflation dar. Die berichtete Sichtweise ist, dass das Projekt überwältigend geworden ist, weil die Rechnung für die Innenarbeiten der gemeinnützigen Organisation stark gestiegen ist, während sich der öffentliche Gebäudezeitplan verschoben hat.

  2. Institutionelle Logik der Brussels Region und der SAU

    Die Perspektive der öffentlichen Behörden von Brussels konzentriert sich darauf, ein kulturelles Gut im Stadtzentrum zu retten, nachdem bereits öffentliche Mittel und Planungsarbeit in das Gebäude geflossen sind. Diese Rahmung unterscheidet sich von einer personenzentrierten Geschichte: Die Region muss Verträge, Standortnutzung und öffentliche Rechenschaftspflicht verwalten, selbst wenn Geluck sich zurückzieht.

  3. Kulturelle Unterstützer eines Musée du Chat

    Unterstützer sehen Le Chat als belgischen Kulturexport mit touristischer Anziehungskraft und argumentieren, dass Brussels, das bereits rund um frankobelgische Comics positioniert ist, einen schlüssigen Grund hat, ein eigenes Museum für Gelucks Werk und humoristische Zeichnung im weiteren Sinne zu beherbergen.

  4. Skeptiker bei öffentlichen Ausgaben und Governance

    Skeptiker stellen infrage, ob ein öffentlich unterstütztes Museum, das sich auf einen lebenden Künstler konzentriert, die richtige Verwendung knapper regionaler Ressourcen ist. Ihre Sorge betrifft nicht nur die Kosteninflation, sondern auch den Präzedenzfall: wer Unterstützung für kulturelle Infrastruktur erhält, unter welcher Governance und mit welchem öffentlichen Nutzen.